Alt-Katholische Kirchengemeinde Stuttgart - Rottenburg
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Stundengebet
im Alltag

{Rottenburg}

Evang. Kirche RottenburgIn der evangelischen Kirche in Rottenburg findet zweimal im Monat freitags um 18:30 Uhr ein alt-katholischer Feier-Abend-Gottesdienst statt. Eingeladen sind dazu Christinnen und Christen aus allen Kirchen.



Termine 2010:

06.08., 20.08., 03.09., 17.09.,
01.10., 15.10., 05.11., 19.11., 03.12., 17.12.2010


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Liebe Feierabendgottesdienstbesucher, Freunde und Interessenten. Manche konnten nicht kommen, andere wollen inhaltlich noch einmal nachlesen und nachspüren. Darum finden Sie an dieser Stelle  die Predigten, die im Feierabendgottesdienst gehalten wurden. Die aktuelle Predigt steht immer an erster Stelle.

Klaus G. Weber




Feierabendgottesdienst

{Predigt 06.08.2010 zu Lk 9,28-36}

„Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Christi, unseres Herrn verkündeten, sondern wir waren die Augenzeugen seiner Macht und Größe.“ Und weiter heißt es im 2. Petrusbrief: „…er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.“(2 Petr. 1,16-19)

Diese Zeilen klingen nach einem selbstbewussten, sicheren Glauben, der auf dem felsenfesten Fundament eigenen Erlebens ruht.
Wie bitte? Welches Fundament? Wie kann die merkwürdige Geschichte, die uns Lukas überliefert hat, ein sicheres Fundament für den Glauben des Petrusbriefes bilden?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen, wie es Euch mit dem Lesungstext geht. Für mich klang sehr befremdlich an, was hier geschildert wird.

Die Jünger begleiten Jesus auf den Berg Tabor. Sie schlafen ein, wachen mitten in der Nacht auf und sehen Jesus zusammen mit Moses und Elia in leuchtenden Gewändern. Spielt das Mondlicht, das sich den ersten feinen Nebelschwaden streut und vom hellen Stoff reflektiert wird, den müden Männern einen optischen Streich? Haben sie zugleich eine Vision? Petrus versucht diesen besonderen Moment unbedingt festzuhalten. Darum will er auf dem Berg Hütten bauen für die drei.

Dazu heißt es lapidar: Er wusste aber nicht, was er sagte – sprich, Petrus hatte damals nicht verstanden, worum es ging. Festhalten – das klappte nicht. Es kommt noch schlimmer: Nach diesem kurzen, ganz besonderen, so erhebenden Augenblick hüllt eine dichte Wolke die Jünger ein. Sie sind völlig isoliert und bekommen Angst. Und genau  in dieser Isolation und Furcht, bar aller großartiger Visionen, genau da ertönt die Stimme Gottes, benennt Jesus als seinen auserwählten Sohn, auf den die Jünger hören sollen.

Die Jünger wussten anfangs wohl selbst nicht recht, wie sie ihr Erlebnis deuten sollten.

Und wir? Vielleicht hatten wir in unserem Leben das Glück einmal oder gar mehrere Male die Nähe Gottes zu erfahren, ganz sicher zu sein, das es ihn gibt und er uns trägt. Nur – diesen Moment mit der ihm innewohnenden Gewissheit vermögen auch wir nicht festzuhalten.

Irgendwann sind wir wieder allein mit uns selbst, haben die üblichen Sorgen und Ängste. Wir sind uns im Glauben keineswegs mehr so gewiss, versuchen uns an der Hoffnung festzuhalten. Ob es diesen Gott der Bibel überhaupt gibt?

Viele Menschen, die in einem christlichen Kontext aufgewachsen sind, neigen manchmal zu schlechtem Gewissen, wenn sie sich an Gottvater, an Jesus besonders in Zeiten der Not erinnern, dann, wenn sie Trost und Hilfe suchen. Wie können sie jetzt um Gottes Hilfe, um seinen Zuspruch bitten, wo sie sich in guten Zeiten doch so wenig um ihn bemüht hatten?

Ich vertraue darauf, dass für Gott die ausgewogene Bilanz von Geben und Nehmen nicht alles ist. Ja, er stellt uns vor Heraus-Forderungen, die oft unbequem oder kaum zu erfüllen sind. Über allem steht jedoch die unbedingte Liebe Gottes zu uns, seinen Kindern. Das Geschenk der Liebe dürfen wir immer annehmen. Sein Geschenk ist ein Geschenk, kein Lohn für unsere Leistung.

Wie in der Geschichte der Lesung ist unser Gott gerade in schlechten Zeiten für uns da. Er gibt uns auf unser Flehen, auf unsere Fragen vielleicht keine direkte Antwort. Die Hoffnung und Zuversicht, die im Gedanken an Gott in uns wach und wirkmächtig werden, sie sind eine der möglichen Antworten. So erreicht uns sein Ruf in der Finsternis.

Das ist eine Erfahrung, die der Schreiber des Petrusbriefes gemacht haben mag, eigenes Erleben, das ihm mehr Gewissheit schenkte als alle klugen Geschichten und Theorien.
Viele Jahre nach den Ereignissen auf dem Berg Tabor, nach manchen Krisen, vielleicht sogar im Angesicht des eigenen baldigen Todes schreibt er ruhig und getröstet über das geoffenbarte Wort: „Denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.“

Diese Worte berührten zu Beginn des Christentums die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer und berühren uns in gleicher Weise heute, wenn wir mit Dietrich Bonhoeffer beten und singen:
„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar….“

(Klaus G. Weber)




Feierabendgottesdienst

{Ansprache am Freitag, 23. Juli 2010, Text: Mk 4, 3 - 9}

Liebe Feierabendgemeinde,

von der Wirkung vom Wort Gottes ist in dem Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld die Rede. So also geht es zu, wenn die frohe Botschaft von der ungebrochenen Liebe Gottes unter den Menschen verkündet wird.

Liebe vierfache Ackerfelder, da hören wir das Angebot seiner zuvorkommenden Liebe und es fällt auf ausgetretene Trampelpfade, auf denen nichts Neues mehr wachsen kann. Das haben wir schon so oft gehört, von klein auf in der Kinderkirche, im Reli-Unterricht, in den Jugendgruppen und in den vielen Gottesdiensten. Da bist du ganz schön platt und festgetrampelt und wehe, es kommt mal ein neues Lied, ein anderes Wort, eine neue Liturgie! Ein feste Burg ist unser Trott – und nichts wächst mehr! In jeder und jedem von uns gibt es den Begeisterungsfunken, der kurz auflodert, wenn es mir gut geht, wenn ich etwas spüre von der Liebe. und dann kommt der Alltag, kommen die ersten Schwierigkeiten und schon ist alles vergessen. In jeder und jedem von uns gibt es die Dornen, diese stacheligen Innenwucherungen, die beißenden Fragen, die allen Elan unterdrücken, die Sorgen, die mich um mich selbst krümmen. Da kann das Liebeswort Gottes nicht recht groß werden. So ist das eben. Mindestens 75 Prozent verlorene Liebesmühe. Das ist einkalkuliert! Jesus erzählt dieses Gleichnis – wie alle seine Gleichnisse -  völlig nüchtern und ohne moralischen Zeigefinger. Er sagt nichts Böses über die Vögel, die den Samen fressen, die Dornen, die ihn ersticken. Die Liebe sagt: Es ist wie es ist! Wenn es um die Liebe Gottes geht, dann geht es völlig unpathetisch zu. Und verschwenderisch zugleich. Der Sämann berechnet nicht Er streut sein kostbares Saatgut einfach aus, geht das Risiko ein, dass 75% davon nicht aufgehen. Die Liebe ist unvernünftig, nicht berechnend, verschwenderisch. So ist Gottes Liebe.

Nun könnten wir uns ja damit zufrieden geben. Es ist eben so. Aber die ersten Zuhörerinnen und Zuhörern haben Ohren gehabt, genau zu hören. Denn – das wussten sie aus ihrem Leben – nach dem Säen kam das Pflügen. Harte Knochenarbeit. Und erst das Pflügen entscheidet, was da aufgeht, Frucht wird, Leben weiterträgt. Da wird geackert, der Boden aufgerissen, unter die Oberfläche gekratzt.

Vielleicht geht das mit der Liebe Gottes, mit solch einem Dienst Gottes an uns genauso. Erst dann, wenn unsere glatt polierte Oberfläche angekratzt wird, wenn unser Routineschild durchbrochen wird, erst dann wenn es unter die Haut geht, fängt die Liebe Gottes an zu wachsen. Dann geht auf, was vielleicht vor langer Zeit einmal ein Same war: das Wort der Großmutter, das Verhalten der Eltern und Lehrer, der Augenblick tiefer Betroffenheit. In jeder und jedem von uns steckt Gottes verschwenderische Liebe drin. Das sagt uns der Jesus, der durch einen schrecklichen Tod hindurch diese Liebe ein für alle mal und einmal für alle in die Welt brachte: selbst der schrecklichste Pflug, selbst Krankheit und Tod können nicht mehr verhindern, dass Gottes Liebe aufgeht, an ihr Ziel kommt, nämlich in sein Reich. Mit solch einer Zuversicht könnten wir heute schon die ausgetretenen Wege verlassen, das Abenteuer der Liebe auf seine Verantwortung hin wagen. Könnten die unterdrückenden Stacheln der Sorgen, der Zweifel und der Angst schrumpfen lassen. Gott verschwendet seine Liebe, sein ganzes Leben an uns und wir sollten damit geizig sein? Liebe wächst im Weitergeben, genauso wie es der Sämann tut: Ohne Berücksichtigung der Verhältnisse, einfach weil es Liebe ist: realistisch, unpathetisch und ohne Moral!  In der gemeinsamen Stille halten wir einen ausgetretenen Pfad, das unterdrückte innere Feuer, die Oberfläche unseres Alltags hin. Vielleicht weht auch nur leise der Geist Gottes drüber und lässt etwas aufgehen von seiner Liebe. Amen.

(Klaus G. Weber)




Stand:16.08.2010


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